Karate – ein Sport auch für Kinder und Jugendliche?

Skepsis oder auch Unbehagen mögen viele Eltern empfinden, die sich dem Wunsch Ihres Kindes gegenübersehen, Karate als Sport zu betreiben. Sogenannte Kung-Fu-Filme, sachunkundige oder reißerische Medienberichte lassen nur zu gerne mit dem Begriff "Karate" Assoziationen ungehemmter Gewalttätigkeit aufsteigen.

 

Tierische Schreie, splitternde Knochen und berstende Ziegelsteine haben jedoch mit dem traditionellen Karate (wie es im 1. Kölner Karate Club "Bushido" betrieben wird) nichts zu tun.

 

Zwei Übungsformen bilden das Zentrum unseres Trainings:

  • Kata (Perfektionsturnier ohne Gegner) und
  • Kumite (Kampf).

Mit der Kata wird größtmögliche Präzision und Dynamik sowie Technik geübt. Durch das Diktat "Verzicht auf Trefferwirkung" beim Kumite soll der Partner ausgepunktet werden, nicht jedoch verletzt oder gar niedergeschlagen. Dies erfordert nicht nur ein hohes Maß an technischen Fertigkeiten, sondern auch ein ebenso hohes Maß an Verantwortungsgefühl dem Wettkampfpartner gegenüber. Gerade letzteres zu erlernen, muss als primäres pädagogisches Ziel in der Jugendarbeit eines Kampfsportes angesehen werden. Im Vordergrund, in unsere Sportart "einzusteigen " steht für Kinder und Jugendliche oft der Aspekt der Selbstverteidigung.

 

Interessant ist, dass diese Motivation mit der Zeit in den Hintergrund tritt. Durch das in jahrelangem Training gewonnene Selbstvertrauen in die eigene physischen und psychischen Fähigkeiten werden die Risiken geringer, in gewalttätige Konflikte verwickelt zu werden. Die Faszination am Karate selbst wird zum bestimmenden Faktor des Trainingsfleißes.

 

In der fernöstlichen Kampfkunst entdecken Kinder auch einen gewissen exotischen Reiz: Trainingsritual mit zeremonieller Begrüßung, Meditation vor und nach Training, die japanische Sprache, die besondere Kleidung mit farbigen Gürteln, aber auch die bedingungslose Einordnung in eine Hierarchie Meister-Schüler, die erstaunlicherweise im Jugendbereich besonders großen Anklang findet. Apropos farbige Gürtel: Ihr Erwerb wird besonders geschätzt. Gürtelprüfungen bedeuten zwar eine nervliche und körperliche Belastung, gleichzeitig aber auch Selbstbestätigung und positive Verstärkung. Die Graduierung ist Symbol für einen höheren Fähigkeits- und Kenntnisstand, aber auch ein Anreiz für Selbstkontrolle und Leistungssteigerung, und das ohne Wettkampfzwang.

 

Nicht nur äußere Etikette spielt eine Wichtige Rolle in unserem Training. Den Kindern wird auch von der ersten Stunde an Höflichkeit, Respekt vor Trainern und Trainingspartner gelehrt. Achtung vor dem Gegenüber drückt sich unter andrem aus in der Verbeugung vor dem Partner sowohl vor als auch nach einer Kampfübung. Genaue und disziplinierte Befolgung der Trainingsanweisungen, deren Akzeptierung mit der Zeit zur Selbstverständlichkeit wird, ermöglicht einen reibungslosen und verletzungsfreien Übungsbetrieb. Das langwierige und harte Training, unzählige Wiederholungen scheinbar einfacher Bewegungsabläufe stellen große Anforderungen an die Selbstdisziplin des jungen Sportlers. Die Anforderungen, die an einen Karatesportler gestellt werden, erziehen Kinder und Jugendliche zu Verantwortungsbewusstsein und zu der Erkenntnis dass tatsächliche Leistungsfortschritte sich erst durch Geduld und Anstrengungen über einen langen Zeitraum hinweg, durch regelmäßiges, ausdauerndes Üben der Grundschule und der verschiedenen Katas erzielen lassen. Dadurch werden im Karatetraining neben der Entwicklung motorischer Fähigkeiten auch und vor allem sittliche Werte vermittelt, die dem Jugendlichen helfen sollen, eine von Bescheidenheit, Gelassenheit und Toleranz geprägte Persönlichkeit zu entwickeln, die gelernt hat, mit Geduld an sich zu arbeiten und beharrlich ein Ziel zu verfolgen, auch wenn das Ziel "nur" ein Weg ist, den es zu bestreiten gilt.